Natürlich ist es verboten. Trotzdem habe ich es getan. Immer und immer wieder. Ich saß in einem Restaurant am Hafen, draußen auf einer Gasse, und versündigte mich. Die Menschen drängten vorbei, es wurde enger und enger, die Gerüche nach gegrilltem Fisch, Parfums und Tabak wurden intensiver, während ich meinen Rosé trank (Rioja-Rosé, schon das eine Sünde).
Derweil hatte ich sie auf meinem Schoß liegen. Ich tat so, als sei nichts, ich redete mit meiner Frau, schimpfte mit meinen kleckernden Söhnen, orderte Fanta und Eis, und doch verfolgte ich (vollkommen unbemerkt) mein sündiges Tun mit der größten Akribie. Alle zwei Minuten drückte ich ab. Ich sah sie nicht einmal, meine Opfer, aber ich wusste, dass ich sie traf. Weiterlesen »

Derweil hatte ich sie auf meinem Schoß liegen. Ich tat so, als sei nichts, gar nichts, ich redete nebenher mit meiner Frau, schimpfte mit meinen unentwegt kleckernden Söhnen, orderte allenthalben mehr Fanta oder Obst und Eis und Wein und doch verfolgte ich (vollkommen unbemerkt) mein sündiges Tun mit der größten Akribie. Alle zwei Minuten drückte ich ab. Ich sah sie nicht einmal, meine Opfer, aber ich wusste, dass ich sie traf. Während sie nichts davon merkten, klickte meine Nikon alle 120 Sekunden. Ich legte Wert auf diesen exakten Abstand. Ich weiß nicht warum. Es war ein Experiment. Oder Konzept-Kunst. So oder so: Es ging um Exaktheit. Egal ob Wissenschaft oder Kunst. So etwas ist kein Spiel.
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