Religion

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In Hamburg ist der deutsche Islamist Pierre Vogel am Dammtor-Bahnhof aufgetreten. Während er eine Rückkehr ins Mittelalter propagierte, haben ihm 1000 Muslime zugejubelt und im Regen ihren Gott angebetet. Müssen wir jetzt Angst haben? Ein Kommentar.

Mitten in Hamburg, direkt am Dammtor-Bahnhof, werfen sich 1000 Muslime in strömendem Regen zu Boden und preisen Allah. Auf der Bühne steht ein dicklicher Mann mit rotem Bart und behauptet auf Rheinländisch, Frauen würden im Islam nicht gezwungen, sich zu verschleiern. Dazu macht er Witze über Damenbärte. Der Salafist und frühere Boxer Pierre Vogel hat in Hamburg eine bedingt komische Predigt über den Islam gehalten, so wie er ihn versteht – als ein Zurück ins Mittelalter. Zum ersten Mal haben dabei Muslime mitten in der Stadt unter freiem Himmel gebetet. Zugegeben, ein ungewohntes Bild. Und doch: Mir jagt all das keine Angst ein. Warum auch?

Der deutsche Konvertit Vogel ist ein schräger Typ, ein bunter Hund, der deutsche Komiker des Islamismus. Er spricht mit seiner betont lockeren Art vor allem junge deutsche Muslime mit Migrationshintergrund an. Was er aber zumindest öffentlich nicht tut: Er ruft nicht zu Hass und Gewalt auf. Man kann das für eine Finte halten. Verfassungsschützer warnen davor, Weiterlesen »

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Für mehrere Jahre besuchte ich in den 1980ern eine katholische Schule im Süden Paraguays, die von einem deutschen Priester geleitet wurde, der den Holocaust leugnete, den Diktator zum Freund hatte und seinen Schülern mit aller Gewalt das Rückgrat brach. Auch eine Messe für Adolf Hitler wurde damals in Paraguay gelesen. Seither bin ich überzeugt davon, dass Missbrauch und Gewalt in der katholischen Kirche, diesem Männerbund mit Führerprinzip, zum Konzept gehören. Es ist gut, Lutheraner zu sein.

Pater Wilhelm Hütte, Gott hab ihn selig, war kahl und kugelrund, und obwohl er schon etwa seit Kriegsende in Lateinamerika lebte, sprach er Spanisch noch immer mit einem so klirrenden deutschen Akzent, dass es sich, wenn wir ihm zuhören mussten, für uns anfühlte, als stapfe jemand in Militärstiefeln durch ein Blumenbeet. Jeden Morgen um zehn vor sieben versammelten wir uns unter seinem strengen Blick auf dem Innenhof des Colegio San Blas. Wir stellten uns nach Schulklassen geordnet in Zweierreihen auf, wischten uns gegenseitig die von der benachbarten Tungfabrik herüber wehenden Ascheflocken von den blauen Schulhemden und bedauerten die beiden Mitschüler, die es heute getroffen hatte.

Colegio San Blas, Obligado, Paraguay

Colegio San Blas, Obligado, Paraguay

Immer zwei von uns mussten nach vorne, hinauf auf die gemauerte Bühne, einer, um zur gemeinsam gesungenen Hymne die paraguayische Flagge zu hissen, und der andere, um ein paar Sätze aus der Bibel vorzulesen und sie möglichst so zu interpretieren, dass Pater Wilhelm keinen Wutausbruch bekam. Denn seine Wutausbrüche konnten schmerzhaft enden für den Schüler, der ihm am nächsten stand.

Pater Wilhelm hatte die katholische Schule irgendwann Anfang der 1950er Jahre gegründet in dieser deutschen Kolonie im Süden Paraguays. Lange vorher, um 1900 hatten sich deutsche Auswanderer, die über Brasilien ins Land gekommen waren, hier niedergelassen und ihre Kolonie Hohenau/Obligado genannt. Jetzt, Mitte der 80er Jahre, war Wilhelm hier längst der unumschränkte Herrscher.

Als Beichtvater der mehrheitlich katholischen Bewohner, als Finanzier von Infrastruktur- und Hilfsprojekten, als Arbeitgeber für Lehrer und Gärtner, als Direktor des Priesterseminars und des Colegio San Blas, dieses katholischen Privatkollegs, das er zu einer der angesehensten Schulen im südlichen Paraguay gemacht hatte. Seine engen Beziehungen zur Regierung des deutschstämmigen Präsidenten Alfredo Stroessner, dem seinerzeit weltweit dienstältesten Diktator (der etwa so lange in Asunción Präsident war wie Wilhelm Schuldirektor in Obligado), taten ihr Übriges. Weiterlesen »

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