Medien

Alle Beiträge mit dem Schlagwort Medien.

Schön war der Urlaub im Süden. Die Rückkehr nach Hamburg ist eine Rückkehr in die klatschnasse Dauer-Erregung.

Meistens bin ich Extremist, was soll’s? In Wahrheit sind wir doch alle Extremisten, erregen und empören uns ständig über alles bis zum Fastinfarkt, hetzen von einer Hysterie in die nächste, hyperventilieren uns von Tag zu Tag, von Klimakatastrophe über Finanzkrise nach Fukushima und dann über EHEC, Euro und Börsencrash zu Rezession, Revolte und der Rage über den Regensommer. Nicht zu vergessen die Riesenblondine in der Alster, nie dagewesener Skandal.

Unterlegt ist die Dauererregung mit einem pausenlosen Gesabbel im Subraum. Bei Facebook, Twitter, Google plus, in Radio, Fernsehen, Magazinen ist längst gesendet, gedruckt und analysiert, was wir von Geburt an wissen: Das Ende ist nah. Genaueres weiß man nicht, denn selbst Meteorologen können maximal fünf Tage in die regnerische Zukunft sehen und Wirtschaftsexperten im Höchstfall fünf Minuten, wie die Erfahrung lehrt – und selbst das nur ceteris paribus, also unter Laborbedingungen, die es auf dieser Welt nicht gibt. Nur eines ist sicher: Irgendwann bläht sich die Sonne zum Riesen und schluckt uns mit einem roten Rülpser.

Was aber sollen wir bis dahin tun? Ganz einfach: Bis dahin reden und schreiben wir vom Ende. Denn der Untergang verkauft sich gut, und von irgendwas muss man ja leben, bevor man stirbt. Katastrophe, Leid und Todesangst sichern uns beinahe soviel Aufmerksamkeit wie die hypersexualisierte PR-Windmaschine der angeblich dauerfeuchten, (geld)geilen Schoßgebietsschreiberin. Nur Sex und Tod, nichts anderes treibt uns an, Onkel Sigmund lässt grüßen. Ob die multimediale Überreizung von Angst- und Gier- und Lustzentren Weiterlesen »

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Ein Aufstand der Hamburger TV- und Radio-Sender verhindert Gebühren für Berichte zur Bürgerschaftswahl am 20. Februar 2011. Der CDU-Senat wollte den Anstalten bis zu 20 Euro pro Quadratmeter Studiofläche im Congress Center berechnen. Nach Boykottdrohungen und einem Proteststurm im Internet lässt er das jetzt lieber.

Angeblich sind Internetnetzwerke wie Facebook in der Lage, Regierungen zu stürzen – weil sie den Unzufriedenen eine Möglichkeit zur Organisation geben. Ob das wahr ist, steht dahin, zu vermuten ist jedenfalls, dass Facebook mittlerweile auch den Hamburger Senat beeinflusst. Ein Indiz ist der Streit über das jüngste Vorhaben der Senatspressestelle, von den TV- und Radiosendern Gebühren für die Berichterstattung am Tag der Bürgerschaftswahl zu erheben. Maximal 20 Euro pro Quadratmeter Standfläche im CCH sollten die Sender zahlen, wie ihnen die Senatssprecherin Kristin Breuer mitteilte.

Mit der Heftigkeit des Widerstandes hatte man im Rathaus offenbar nicht gerechnet. So drohten einige Sender Weiterlesen »

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Mysteriös ist das allemal. Vor allem aber ist es: saukomisch. Wer beim NDR hat wohl Hamburgs mächtigsten CDU-Mann Frank Schira, immerhin in Personalunion Chef der Landespartei und der Bürgerschaftsfraktion, so bloßstellen wollen – und dabei so großen Erfolg gehabt? Im Hamburger Rathaus hat ein NDR-TV-Reporter Schira offenbar um ein Statement zum Tode von Hamburgs Ehrenbürgerin Loki Schmidt gebeten. Der brabbelt zunächst munter drauf los, würdigt die verstorbene Naturschützerin als “Begrifflichkeit”, der er, und die CDU, ein “ehrenvolles Gedenken anheim stellen” wollen.

Immerhin merkt Schira schließlich selbst, dass es “alles Quatsch” ist, “was ich da gesagt habe”. Deswegen will er “nochmal machen”. Schuld an Schiras wirrer Rede ist aber seines Erachtens nicht etwa er selbst, sondern der Reporter.  “Sie müssen mir mal ne Frage stellen, näch, dann bekomm ich das n bisschen mehr drauf”, raunzt er den Medienmenschen an – und wedelt dabei wütend mit dem Zeigefinger.

Ob das nun nochmal gemacht wurde oder nicht – irgendein für Komik empfänglicher NDR-Mensch muss diese Tollpatscherei in die Mediathek des NDR gestellt haben, jedenfalls kurzfristig (mittlerweile ist das Filmchen wieder rausgeflogen aus der öffentlich-rechtlichen Verwertungskette). Bevor das Video wieder verschwand, wurde es aber offenbar mit einer Handkamera (oder mit einem Handy?) von einem Monitor abgefilmt – und kursiert nun im Netz.

“Alles Quatsch, was ich da gesagt habe” hat dabei das Zeug zum Hit. Vielleicht wird irgendein Rapper es ja demnächst mit Musik unterlegen. Und dann singen alle den Schira-Rap: “Hey, brother, Du musst mir mal ne Frage stellen. Yo, dann bekomm ichs besser drauf.”

Wie lange es wohl dauert, bis der NDR zu dieser kleinen Miesfiesigkeit eine Stellungnahme abgeben muss?

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Nachtrag 28.10.: Mittlerweile haben NDR und Frank Schira versucht, ihren gemeinsamen Fauxpas zu vertuschen – indem sie auf youtube alle davon kursierenden Videos löschen lassen haben. Kein Wunder. Denn für Schira ist das Video peinlich, weil es zeigt, dass er eigene Fehler offenbar gerne andern ankreidet. Und der NDR hat damit, dass dieses Filmchen in der vergangenen Woche offenbar sogar einmal ausgestrahlt wurde, gezeigt, dass er gelegentlich gern mal Müll sendet. Gebührenfinanzierten Müll. Naiv sind NDR und Schira im Duett, wenn sie glauben, dieses Video würde nunmehr auf öffentlich-rechtliches (und) CDU-Geheiß aus der Realität verschwinden (immerhin ist ja auch der Landespolitik-Chef des NDR in Hamburg, Jürgen Heuer, CDU-Mitglied). Aber unabhängig davon: Dieses Video ist viel zu schön, um es von NDR-CDU-Schira schnöde löschen zu lassen. Oder?

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Es ist ja in Wahrheit immer alles im Umbruch. Dauernd muss man alles neu lernen, jeden Tag gibt es einen neuen Handytarif, wieder eine neue PIN für irgendeine Karte und neue Studien darüber, wie viel Wein man trinken und Brokkoli man essen muss, um hundert zu werden. Und jetzt müssen wir auch noch wissen, wer oder was Fila ist.

Nein, gemeint ist nicht die Tennishemd-Marke, die Björn Borg bei seinem endlosen Wimbledon-Finale gegen Roscoe Tanner trug (bei dem ich auf Tanner setzte und ein Monatstaschengeld verlor). Auch nicht die Abkürzung für den Ringerverband Fédération Internationale des Luttes Associées. Gemeint ist Frau Ahlhaus, eine fröhliche blonde Maklerin aus der Pfalz, die jetzt Hamburgs Frau Bürgermeisterin ist. Ihr Mann Christoph nennt sie, wie jetzt zu lesen war, „Fila“ – neckische Kurzform für „First Lady“.

Nicht verraten hat das neue Regentenpaar bisher, wie die lebensfrohe Fila, die ausweislich der Gesellschaftskolumnen gerne Partys feiert, ihrerseits den Gatten anredet. Vielleicht Erbü für Erster Bürgermeister? Oder “mein süßer Sench” für Senatschef? Das klassische „Ringeltäubchen“ wäre auch möglich, seit sich Ahlhaus an der Alster im engen Streifenshirt ablichten ließ. Ringel, Erbü oder Sench – halb so wichtig. Viel bedeutender für die Hamburger ist sowieso der Fiso.

Die Ankunft des Fiso, also des „First Son“ von Erbü  und Fila, wird von politischen Beobachtern für Herbst 2011, ein halbes Jahr vor der Bürgerschaftswahl, erwartet. Weiterlesen »

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Zum Abschied von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust aus dem Amt am 25. August 2010 haben die Mitarbeiter der Hamburger Senatskanzlei von journalistischen Wegbegleitern jeweils eine DIN-A 4-Seite an persönlichen Erinnerungen für Ihren bisherigen Chef erbeten. Hier mein Beitrag:

Ole von Beust ist ein durch und durch sympathischer Kerl, wie oft soll ich das noch schreiben? Einmal wollte er mir sogar ein Geschenk machen, oder besser meinen Söhnen. Auf einer der gemeinsamen Reisen (ich hatte gerade Mitbringsel für meine Brut gekauft) sagte er plötzlich: “Ich glaube, ich werde Ihren Söhnen eine Menge Musikinstrumente schenken, vielleicht ein Schlagzeug, damit sie ordentlich Musizieren können zuhause.” Und lachte sich kaputt.

Ole von Beust und Jens Meyer-Wellmann in Dubai

Ole von Beust und Jens Meyer-Wellmann im Jahr 2006 in den Arabischen Emiraten

Überhaupt hatte er seine helle Freude daran, sich gelegentlich auf Frotzelebene zu rächen für all die Male, die ich ihm oder seinen schill-gelb-grün-schwarzen Senaten publizistisch mal wieder einen eingeschenkt hatte. Bei einer Pressekonferenz mit dem kolumbianischen Parlamentspräsidenten wies er mich vor versammelter Mannschaft darauf hin, dass ich meinen neuen Anzug mal nass ausbürsten müsse, der glänze noch so. Und freute sich.

Als ich nach meiner Spätpromotion erstmals mit dem neuen Titel auf der Liste einer Delegationsreise auftauchte, fragte er: “Na, Meyer-Wellmann, haben Sie sich den Doktor in Graz gekauft?” Ich antwortete: “Nein, bei Konsul Weyer, war billiger.” Ein andermal begrüßte er mich: “Oh, das Abendblatt hat seinen Spötter geschickt.” Wobei er, wo er nicht staatstragend schreiten oder sprechen musste, stets selbst seinen Spaß am Spotten hatte, insofern gab es durchaus Ähnlichkeiten zwischen uns. Allerdings ist der Politiker natürlich potenziell im Nachteil: Ein Journalist kann ohne Pause schlaumeyern oder lästern, ein Politiker nur gelegentlich. Diese Gelegenheiten nutzte Michelalsterole in meinem Fall aber auch weidlich aus.

Ich erinnere mich an einen Stopp mit dem Reisebus an einer Tankstelle in den Arabischen Emiraten. Weiterlesen »

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Egal, was man vom Eurovision Song Contest hält – dieser Flashmob und seine mediale Aufbereitung durch die Norweger ist vermutlich eine der am stärksten verbindenden Aktionen, die Europa in jüngerer Zeit erlebt hat. Solch fröhliche Identitätsstiftung kommt gerade zur rechten Zeit!

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Am 14. Mai 2010 erstach der 16-jährige Elias A. den 19-Jährigen Mel D. am Hamburger Jungfernstieg. Offenbar war Elias, der Sohn eines Afghanen und einer Serbin, Mitglied einer gewalttätigen Jugendgang aus der Hamburger Neustadt. Auch seine Brüder galten, wie er selbst, als Intensivtäter.

Auf diesem gewaltverherrlichenden Musikvideo ist Elias A. mit seiner Gang zu sehen (er steht im Hintergrund). Youtube hat den Film heute aus dem Netz genommen. Zuvor war er bereits mehr als 200.000 Mal angesehen worden. Dieses Video zeigt, in welchem Umfeld Elias A. zu einem brutalen Gewalttäter wurde – und wie wenig die Behörden, die ihn und seine Brüder seit Jahren betreuten, dagegen offenbar ausrichteten. Angeblich hatten sich Anwohner des Großneumarkts mehrfach über die Gang beschwert – ohne Folgen.

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Elias A. hatte im vergangenen Jahr einem Lehrer den Unterkiefer gebrochen und einen Supermarktleiter verprügelt. Hinzu kamen viele andere Übergriffe. Wegen zweier Gewaltdelikte wartete  er seit Dezember 2009 auf einen Prozess in Hamburg. Auch weil die Justiz so langsam arbeitete (und auch nach einem halben Jahr noch keine Verhandlung angesetzt war), konnte Elias A.  jetzt, im Mai 2010, einen Menschen töten. Der Fall belegt einmal mehr, dass der Satz “Die Strafe muss bei jungen Gewalttätern auf dem Fuße folgen” kaum mehr als eine Phrase für Sonntagsreden ist – bis heute. GAL-Justizsenator Till Steffen befand es übrigens tagelang nicht für nötig, sich zu dem Fall zu äußern.

In etwas längerer Form erschienen in WELT ONLINE und der Online-Ausgabe der Berliner Morgenpost am 21. Mai 2010.

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Mein langjähriger “Hamburger Abendblatt”-Kollege Veit Ruppersberg pflegte Einladungen zu Hintergrundgesprächen stets mit der Bemerkung “Mich interessiert nur Vordergrund” abzulehnen. Das hatte vermutlich einen simplen Grund: Er wusste, dass von Politikern angebotene Hintergrundgespräche oftmals mehr den Politikern nützen als den Journalisten und ihren Aufklärungsinteressen.

So berichtete die WELT

So berichtete die WELT

Ganz neutral betrachtet sollen Hintergrundgespräche dazu dienen, dass ein oder mehrere Politiker einem oder mehreren Journalisten komplexe Sachverhalte erläutern und ihnen dazu mehr oder weniger vertrauliche Informationen geben. Zugleich verpflichten sich die Journalisten, über die in einem Hintergrundgespräch erlangten Informationen nicht zu berichten. Wer bestimmte Informationen in einem Hintergrundgespräch erhält, fühlt sich an die Zusicherung der Vertraulichkeit gebunden, selbst wenn er dieselben Informationen später aus anderer Quelle bekommt. So dient Politikern das Hintergrundgespräch indirekt auch als Mittel der Manipulation und Kontrolle von Journalisten.

Am vergangenen Mittwoch lud der neue Hamburger Finanzsenator Carsten Frigge ein Dutzend Hamburger Journalisten zu einem Hintergrundgespräch in seine Behörde. Wenige Stunden zuvor hatten fünf Staatsanwälte seine Privatwohnungen und seine Firma durchsucht. Weiterlesen »

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So muss Journalismus sein: Hochaktuell, technisch auf der Höhe der Zeit und stets ganz nah dran am Geschehen. Elementar ist es dabei, die Vorgänge auf dieser Welt sprachlich klar und deutlich in ihrer Bedeutung für Zuschauer oder Leser einzuordnen. Und bitte: Niemals Unwichtiges für Einschaltquote oder Auflage hochjazzen! Aber welcher Journalist würde das schon tun?

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Danke, Doktor!

Keine Ahnung, wie es Ihnen geht, aber ich kann nicht vergessen. Jedenfalls nichts Überflüssiges. Wenn ich nach etwas dringend Benötigtem hinten im Rechtshirn krame (dem Namen des Vorstandsmenschen, der mich gerade angrinst, oder der Geheimzahl meiner Kreditkarte, wenn ich die Rechnung bezahlen will), dann fällt mir mit Sicherheit die Marke des paraguayischen Billigbiers ein, das ich mir 1984 am Ufer des Paraná mit einem Kumpel geteilt habe. Aber der Vorstandsassi heißt nicht Pilsen Dorada. Und das ist auch nicht das Passwort für meine Amex.

Telefonnummern kann ich mir ganz gut merken, vorausgesetzt, es sind Nummern von Langweilern oder übellaunigen Frauen, die ich garantiert nicht anrufen will. Brauche ich eine wichtige Nummer, dann kommt erst nichts aus meinem Kopf, danach zum Beispiel mitten aus diesem Nichts ein 28.Juli (der Geburtstag einer Freundin, mit der ich 1989 mein Leben für immer teilen wollte) und dann die 44 17 77.

Diese Hamburger Telefonnummer ist mir die treueste Belanglosigkeit, seit mehr als 30 Jahren versuche ich sie erfolglos zu vergessen. Jetzt hat sie sich wieder in mein Leben gedrängt und sicher auch in das vieler anderer Norddeutscher. Denn der Mann, dem diese Nummer beinahe 30 Jahre lang gehörte, hat Hamburg für immer verlassen: Dr. Erwin Marcus ist mit 84 Jahren gestorben, was mich und wohl auch viele andere ganz persönlich trifft.

Lebensberater Dr. Marcus nämlich hat mich nicht nur zu einem Mann, sondern auch zu einem (relativ) glücklichen Menschen gemacht. Weiterlesen »

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