Gesundheit

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Es gibt Tage, da liegt einfach alles herum. Gestern Morgen bin ich barfuß in eine Horde Piraten getreten, die mir vor dem Hemdenschrank auflauerte (einer büßte mit einem ausgekugelten Plastikarm). Vorher hatte ich bereits mehrere Hände voller Schwerter und Armbrüste von der vorabendlichen Seeschlacht der bei mir wohnenden Freibeuter aus der Wanne geräumt, um halbwegs unverletzt eine Dusche zu nehmen. Ein paar Meter vor der Haustür übersprang ich nur knapp die Hinterlassenschaft des benachbarten Mops-Pudels, dessen Herrchen stets freundlich grüßt, während seine Milka mit krauser Stirn auf den Gehweg stoffwechselt. An der Hauptstraße wehte mir der Aschewind eine leere Bierdose entgegen. Und beim Arzt (reine Routinesache) lag schließlich eine vom Glastisch gerutschte Zeitschrift direkt auf meinem Weg zum letzten freien Stuhl.

Ich gehöre nicht zu den Zwangsneurotikern, die ihre Stifte im rechten Winkel auf dem Schreibtisch anordnen (nur schief geschnittener Käse stürzt mich in schwere Krisen). Dennoch spürte ich, während ich im Wartezimmer saß, eine unbändige Sehnsucht nach Ordnung. Ich malte mir aus, wie ordentlich es auf diesem Planeten aussehen könnte, wenn die Erdanziehungskraft sich schlagartig in eine Erdabstoßungskraft verkehren würde. Weiterlesen »

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Adjuvanzien

Ich weiß, man soll keine Witze mit Namen machen, aber vor ein paar Tagen saß ich neben einer Frau Kunststoff. Allerdings wusste ich erst, dass sie Kunststoff hieß, als sie aufgerufen wurde von einer quäkenden Stimme, die sie zur Impfung hereinbat: “Frau Kunststoff bitte.”

Schweinegrippe natürlich. Ich hatte die Spritze schon hinter mir und saß nur noch im Wartezimmer, um abzuwarten, ob ich sterben würde. Oder besser, in der leisen Hoffnung, die Impfung zu überleben. Für den Fall eines durch Virenbröckchen oder Adjuvanzien ausgelösten anaphylaktischen oder wasweißichwas für eines Schocks wollte ich in Arztnähe sein.

Ich sah also auf Frau Kunststoffs geraden Rücken und fragte mich, wie diese anziehende Person zu so einem Namen gekommen war. Als sie um die Ecke bog, warf ich einen Blick auf ihren Mund und ihre Oberweite, entdeckte aber weder hier noch dort irgendwelche abnormen Formen, die auf Silikon schließen ließen. Eine Panikattacke bekam ich, als Frau Kunststoff wieder aus der Tür heraustrat, mich schelmisch anlächelte und kurz darauf die androgyne Stimme durch die Tür schnarrte: “Herr Eisbein bitte.”

In diesem Moment wusste ich, dass ich sehr krank war. Weiterlesen »

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