Eis

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Seit ich Kinder habe, gibt es kein Thema, das mir stärker auf die Nerven geht als die Gerechtigkeit. Das liegt vielleicht daran, dass der erste grammatikalisch perfekte Satz meines jüngeren Sohnes „Papa, das ist unge-echt“ lautete. Natürlich wusste er nicht, was er sagte, aber er sagte es im Ton höchster Empörung, den er sich bei seinem großen Bruder abgelauscht hatte. Keine Ahnung, ob es darum ging, dass er einen Keks mehr wollte oder ein Stück Schokolade. Von Gerechtigkeit reden meist diejenigen, die mehr haben wollen, nicht die, die ihren Brüdern dringend etwas abzugeben wünschen.

Wenn man zwei Söhne hat, geht es (außer um Darth Vader) ausschließlich um Gerechtigkeit. Paul hat eine Minute länger vorne gesessen. Max hatte mehr Streusel auf dem Kuchen. Wieso durfte Paul fünf Bücher aus der Bücherhalle ausleihen und ich nur vier? Warum ist Max auf drei Geburtstagen eingeladen, ich nur auf zwei?

Ohne die Gnade ihrer späten Geburt hätte ich meinen Jungs längst nahegelegt: „Geht doch nach drüben, da ist es vollkommen ge-echt, da haben alle nichts und wohnen hinter derselben grauen Mauer.“ Manchmal bin ich kurz davor, eine Westerwelle-Leistung-muss-sich-lohnen-Rede zu halten. Stattdessen versuche ich Weiterlesen »

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Busfahren kann sehr unheimlich sein, jedenfalls für Kinder. Als ich kürzlich mit meinem Achtjährigen mit dem 5er in die Innenstadt fahren wollte, zog sich mein Sohn eine Ein-Euro-Kinderkarte aus dem Automaten, setzte sich neben mich in die letzte Reihe und starrte schließlich sichtlich irritiert auf das Busticket. Dann drehte er sich mit für einen Achtjährigen extrem zerfurchter Stirn zu mir und fragte: „Papa, woher wissen die eigentlich, dass ich in der zweiten Klasse bin?“

Man soll seine Kinder nicht auslachen, wollte ich auch nicht, ehrlich, aber trotzdem konnte ich nicht an mich halten. Ich erklärte ihm, dass auf seiner Karte nicht „2. Klasse“ stand, weil er gerade im zweiten Schuljahr ist, sondern weil es auch Schnellbusse und früher einmal auch in Hamburg Erste-Klasse-Abteile gab, die ziemlich schick waren und für die man teurere Karten kaufen musste. Die Vorstellung, der Hamburger Verkehrsverbund HVV kenne seine Kunden durch und durch (womöglich mit Hilfe von Google, Apple und all diesen Überwachungskameras), beschäftigte uns dann noch eine Weile, während der 5er durch die Löcher in der Hoheluftchaussee rumpelte.

„Schulklasse, Haarfarbe, Beruf, vielleicht sogar welche Laune wir gerade haben, die wissen alles über uns“, sagte ich. „Deswegen hast Du Glück, dass auf Deiner Karte nur 2. Klasse stand, beim nächsten Mal steht vielleicht Turnbeutelvergesser drauf.“ Weiterlesen »

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