Das erste Noten-Zeugnis meines Sohnes hat mir keine Sorgen bereitet. Was danach kam, schon.
Ich weiß, man soll seine Kinder nicht anlügen, aber man muss ihnen auch nicht alles erzählen. Außerdem ist es schon ein paar Sommer her, dass ich die dritte Klasse besucht habe, da muss ich mich wohl nicht an alle Noten erinnern – auch wenn mein Sohn Max das jetzt gern gehabt hätte. Er hat ein erschütternd gutes Zeugnis bekommen, sein erstes mit Noten. Prompt will er sich mit mir messen und fragt, ob ich auch soundso viel Einsen hatte, dabei liegt mir Angeberei nur ausnahmsweise.
„Klar“, sage ich betont cool. „Mindestens so viele. Eher mehr.“
„Zeig mal dein Zeugnis aus der dritten Klasse.“
„Hab ich weggeschmissen.“
„Papa, seit wann schmeißt man denn Zeugnisse weg?“
„Ich hatte so viele Eins-A-Zeugnisse im Leben, die passten einfach nicht mehr in die Umzugskisten.“
„Schon klar, Papa.“
Als wenn es nicht reichen würde, dass ich beim Fußball hin und wieder noch gewinne. Oder beim Pokern um sein Taschengeld. Muss ich meine Autorität jetzt aus meinen Grundschulnoten beziehen? Metaphysisch betrachtet sind Noten doch völlig unwichtig. Es kommt auf andere Werte an: Güte und Friedfertigkeit, meinetwegen. Doch nicht auf Noten!
Zur Belohnung für sein Zeugnis hat meine Frau dem Nachwuchs-Einstein eine Waffe gekauft Weiterlesen »






















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