Ich weiß, man soll keine Witze mit Namen machen, aber vor ein paar Tagen saß ich neben einer Frau Kunststoff. Allerdings wusste ich erst, dass sie Kunststoff hieß, als sie aufgerufen wurde von einer quäkenden Stimme, die sie zur Impfung hereinbat: “Frau Kunststoff bitte.”
Schweinegrippe natürlich. Ich hatte die Spritze schon hinter mir und saß nur noch im Wartezimmer, um abzuwarten, ob ich sterben würde. Oder besser, in der leisen Hoffnung, die Impfung zu überleben. Für den Fall eines durch Virenbröckchen oder Adjuvanzien ausgelösten anaphylaktischen oder wasweißichwas für eines Schocks wollte ich in Arztnähe sein.
Ich sah also auf Frau Kunststoffs geraden Rücken und fragte mich, wie diese anziehende Person zu so einem Namen gekommen war. Als sie um die Ecke bog, warf ich einen Blick auf ihren Mund und ihre Oberweite, entdeckte aber weder hier noch dort irgendwelche abnormen Formen, die auf Silikon schließen ließen. Eine Panikattacke bekam ich, als Frau Kunststoff wieder aus der Tür heraustrat, mich schelmisch anlächelte und kurz darauf die androgyne Stimme durch die Tür schnarrte: “Herr Eisbein bitte.”
Lange wurde der Widerstand gegen die schwarz-grüne Hamburger Schulreform zur Einführung der sechsjährigen Primarschule als “Gucci-Aufstand” diskreditiert. Jetzt aber haben mehr als 184.000 Hamburger gegen das wohl wichtigste Projekt des schwarz-grünen Senates unterschrieben – eine rekordverdächtige Zahl. Ole von Beust und Christa Goetsch müssen ihren Reformeifer bremsen. Ein Kommentar.
Der überragende Erfolg des Volksbegehrens gegen die schwarz-grüne Schulreform zeigt vor allem eines: Der Senat hat den Bezug zur Stimmungslage der Menschen in der Stadt verloren. CDU-Bürgermeister Ole von Beust und seine grüne Stellvertreterin Christa Goetsch haben lange so getan, als käme der Protest gegen die von ihnen als bildungspolitische Erlösungsformel gepriesene sechsjährige Primarschule allein von ein paar gut betuchten Familien aus den Elbvororten. So entstand der abfällige Ausdruck des „Gucci-Aufstandes“. Im Rathaus rechnete man mit einem bestenfalls knappen Erfolg des Begehrens. Welch grandiose Fehleinschätzung!
Die Wahrheit ist: Der Versuch, eine Schulreform in größter Eile den Eltern, Schülern und Lehrern aufzuzwängen, ist schon jetzt gescheitert. Das hat, unabhängig davon, ob die Einführung der weltweit üblichen sechsjährigen Grundschule sinnvoll ist oder nicht, vor allem drei Ursachen. (weiterlesen…)
Ein gelegentlicher Schuss vor den Bug kann hilfreich sein, ein Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Das lässt sich derzeit gut am Beispiel der Hamburger Grünen (GAL) belegen. Deren Führungscrew hatte sich gemütlich eingerichtet auf den Senatsbänken. „Bloß keinen Ärger mit der CDU”, lautete das Motto beim ersten schwarz-grünen Experiment auf Landesebene. (weiterlesen…)