Wenn man will, kann man alles zur Waffe machen. Halb volle Nudelsoßengläser (wie wütende Italienerinnen sie werfen), Brillen (mit denen Mafiosi wie im “Paten III” ihre Widersacher meucheln) oder Zahnbürsten, Sandalen und getragene Wäsche. Letztere drei werden vor allem in Hamburg eingesetzt. In jüngerer Zeit ist es beinahe täglich gelungen, mit ihrer Hilfe die Stadt lahmzulegen, und falls das übertrieben sein sollte, so doch wenigstens gefühlte hundert Mal den Hauptbahnhof, und zwar für Stunden. Dabei wurden Zahnbürsten, Sandalen und Wäsche nicht geworfen, die Täter ließen sie einfach fallen. Freilich waren sie eingepackt, Wäsche und Sandalen, und zwar in Koffer. Die ließen die Täter stehen, mit Vorliebe in der Wandelhalle des Bahnhofs, und wandelten versunken in die eigene Gedankenlosigkeit kofferlos von dannen.
Mal handelte es sich womöglich um zerstreute Japaner, dann um fahrige Franzosen, vielleicht war auch mal ein schläfriger Schwede dabei, man weiß es nicht, die Folge aber war immer dieselbe: (weiterlesen…)
Dass Schwarz-Grün das Leitbild der „Wachsenden Stadt” abgeschafft hat, erweist sich als Fehler. Vor allem die Wirtschaft beklagt, dass die ausgefeilte Wachstumsstrategie, die dahinter stand, durch den inhaltsleeren Slogan “Wachsen mit Weitsicht” ersetzt wurde. Anstatt Hamburg mit einem Gesamtkonzept international gut zu positionieren, verkämpft sich der Senat im Klein-Klein und in der Schulreform. Wo er wirklich hin will, scheint er selbst nicht so genau zu wissen.
Dieser Stadt, so scheint es, ist etwas abhanden gekommen. Schleichend, man kann nicht einmal genau sagen, wann es begonnen hat. Aber die Aufbruchstimmung, die die ersten Jahre der Ole-von-Beust-Regierung auszeichnete, hat sich verkrochen irgendwo im herbstlichen Frühnebel zwischen Michel und Rathaus. (weiterlesen…)