Meyer-Wellmanns Netzigkeiten

Ein Blog über Hamburg, Politik und den Journalismus von morgen

Ungleiche Schwestern in der Beziehungskrise

Mittwoch, 30. September 2009 von Jens Meyer-Wellmann

Seit 20 Jahren sind Hamburg und das nicaraguanische León Partnerstädte. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr aber ist die Beziehung der ungleichen Schwestern in ihre tiefste Krise gerutscht. Weil der neue sandinistische Bürgermeister nur per Wahlbetrug ins Amt kam, hat der Senat die offiziellen Beziehungen auf Eis gelegt. Auch viele Altlinke gehen auf Distanz zu ihren einstmals so romantisch betrachteten Revolutionshelden um den Sandinisten-Präsidenten Daniel Ortega.

In kaum eine internationale Beziehung ist in den vergangenen Jahrzehnten soviel Hamburger Herzblut geflossen wie in die Städtepartnerschaft mit der zweitgrößten nicaraguanischen Stadt León. Erwachsen aus Solidarität mit der Revolution der Sandinisten gegen den Diktator Somoza im Jahr 1979, reichte das Engagement der Hamburger für die Partnerstadt schon bald weit über die einschlägige linke Szene hinaus. 1989 unterzeichnete der damalige Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) das Abkommen zur Städtepartnerschaft.

<i>Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram 2006 in León mit einer einheimischen Familie<i>

Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram (CDU) 2006 in León mit einer einheimischen Familie (Fotos: Meyer-Wellmann)

Schnell wurde die Freundschaft mit der neuen „Schwesterstadt“, wie die Nicaraguaner sagen, durch das Engagement Tausender Hanseaten mit Leben gefüllt. (weiterlesen…)

Profi im Hühnerstall

Montag, 28. September 2009 von Jens Meyer-Wellmann

Ex-Landeschef, Ex-Innensenator, Ex-Generalsekretär und Ex-Minister Olaf Scholz kehrt als neuer alter Hamburger SPD-Vorsitzender in die Hansestadt zurück. Zunächst ist das für die sadomasochistischen Genossen an Alster und Elbe ein Segen. Schließlich muss endlich einmal ein Profi die egomanen Intriganten in Schach halten, die seit Jahren nichts anderes tun, als die eigene Partei zu ruinieren. Ein echter Neuanfang ist die Rückkehr des vor allem in Niederlagen erprobten x-fachen Ex aber nicht. Ein Kommentar.

Olaf Scholz ist nicht unbedingt ein geborener Gewinnertyp. Unter seinem Landesvorsitz (und zu seiner Zeit als Not-Innensenator) hat die Hamburger SPD 2001 die Macht verloren. Als Generalsekretär der Bundes-SPD musste er die für das Parteivolk schmerzlichen Hartz-Reformen und danach eine unendlich scheinende Kette von Wahlniederlagen verkaufen.

2004 dankte er, glücklos, auch als Hamburger Parteichef ab. Nach dem Beck-Sturz scheiterte er mit seinen Ambitionen, den Bundesvorsitz zu übernehmen. Und nun ist er zusammen mit seinen Genossen als Arbeitsminister mit dem historisch schlechtesten Ergebnis abgewählt worden – trotz erfolgreicher Arbeit, die Deutschland mit dem Kurzarbeitergeld vor horrenden Erwerbslosenzahlen bewahrt hat. (weiterlesen…)

Gewinnwarnung

Freitag, 25. September 2009 von Jens Meyer-Wellmann

Die Stadt Hamburg geht nicht gut um mit ihren Gewinnern. Ich zum Beispiel, der ich mich ohne jede Anmaßung zu dieser Kategorie zählen darf, ging am Mittwoch in meinen Lokstedter Lottoladen, lupfte meinen Schein mit den drei Richtigen und bat um Auszahlung des Gewinns von neun Euro irgendwas. Was aber tat der graugesichtige Mann hinter dem Plastiktresen? Er schüttelte den Kopf und weigerte sich, meinen Gewinn herauszurücken, ohne meinen Schein überhaupt anzunehmen.

„Der ist nicht von hier“, knurrte er und hatte recht. Ich hatte den Tippzettel, gierig auf den Jackpot, auf Rügen ausgefüllt. Offenbar hatte der Lokstedter Lottomann das schon aus der Distanz erkannt. „Gut“, sagte ich. „Und was bedeutet das? Soll ich etwa nach Rügen fahren, um meinen satten Gewinn einzustreichen?“ (weiterlesen…)

Pariser Fauxpas, oder: Sind uns (gute) Politiker wichtiger als (gute) Politik?

Sonntag, 20. September 2009 von Jens Meyer-Wellmann

Es gibt kaum etwas Bigotteres als den periodisch aufwallenden Volkszorn gegen Politiker. Das Volk, so scheint es manchmal, gönnt ausgerechnet seinen eigenen Vertretern das sprichwörtliche Schwarze unter den Fingernägeln nicht.

Die Diäten der Abgeordneten sind ihm zu hoch, ihre Reisen zu teuer, und Dienstwagen sind per se suspekt. Dass viele der Empörten selbst als Angestellte ihre Dienstwagen privat nutzen (weil sie, wie Politiker, dafür bezahlen), gerät dabei schnell in Vergessenheit. Ebenso wie die Tatsache, dass selbst Spitzenpolitiker im Vergleich zu mittelmäßigen Managern ein mickriges Gehalt beziehen (und Spitzenkräfte daher nur selten in der Politik zu finden sind).

Die Franzosen sind da anders als wir. Sie gehen zwar schneller auf die Barrikaden, wenn es um unliebsame Reformen geht. Da nehmen die Mitarbeiter kurzerhand den Vorstandschef gefangen, wenn man sie feuern will. Bauern oder Arbeiter blockieren alle Autobahnen des Landes, wenn ihnen die Politik nicht passt, die ihre Regierung macht. Sie drohen auch gerne mal mit Generalstreik. Dem privaten Treiben ihrer politischen Klasse aber sehen die Franzosen gelassener zu als die Deutschen.

Mit einem Taxi nach Paris? Wäre billiger gewesen!

Von dieser französischen Leichtigkeit hat sich nun offenbar Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus anstecken lassen. Der 40 Jahre alte CDU-Mann mischte Dienstliches mit Privatem, flog mit seiner Frau nach Paris und ließ Chauffeur und Dienstwagen von Hamburg nachkommen, um darin nebst Gattin die Stadt zu erkunden. Der Streit darüber, ob er gegen Bundes- oder gegen hanseatische Richtlinien verstoßen hat, hält an. Dass er das deutsche Gerechtigkeitsempfinden verletzt hat, ist bereits sicher. Deswegen wird auch in Hamburg derzeit hitzig über diese neue Dienstwagenaffäre diskutiert, die scheinbar zwischen dem Rathaus an der Alster und dem Eiffelturm spielt, in Wahrheit aber doch genau im Zentrum der deutschen Spießigkeit angesiedelt werden muss.

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Bloß nicht anfassen!

Samstag, 05. September 2009 von Jens Meyer-Wellmann

Keine Ahnung, wie es Ihnen geht, vielleicht bin ich auch einfach ein zu distanzierter Typ. Aber ich mag Politiker nicht anfassen. Auch im Wahlkampf nicht. Obwohl die Damen und Herren ja jetzt erhöhten Wert darauf legen, angefasst zu werden. “Politik zum Anfassen” verspricht mir zum Beispiel der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs auf seinen Plakaten rund um die Alster. Auch seinen Genossen Markus Schreiber, den Herrn Bezirksamtsleiter, will er zum Anfassen zu seinen Bürgersprechstunden und Stammtischen mitbringen. Ich geh zu so was nicht hin.

Im ehrwürdigen Rathaus werden bei Tagen der offenen Tür seit Jahren “Politiker zum Anfassen” angeboten – aus allen Parteien selbstverständlich, auch beim Körperkontakt muss schließlich der Proporz gewahrt bleiben. Wenn es wenigstens dabei bliebe. Aber nein. Neben Politikern bietet man uns überall Popstars, Fußballer, Wissenschaftler zum Anfassen.

Ich kann Sie nur warnen. Machen Sie das nicht mit! Auch aus medizinischer Sicht. Ich bin zwar kein Arzt, aber als Hypochonder ist man im Grunde besser informiert als all diese Kittelträger unter Gottes bewölktem Himmel zusammen. (weiterlesen…)

Hauptsache Kanzler. Name egal.

Dienstag, 01. September 2009 von Jens Meyer-Wellmann

Dass nicht einmal Genossinnen und Genossen und auch nicht die roten Ex-Ministerinnen wissen, wie ihr SPD-Kanzlerkandidat, der Dingens heißt, also dieser Grauhaarige, oder jedenfalls wie er richtig geschrieben wird…

Naja. Ist doch wurscht. Namen werden sowieso schwer überschätzt. Der Typ (wie hieß er doch gleich?) ist jedenfalls spitze! Dieser Maier. Oder so. Ihr wisst schon. Muss Kanzler werden, der Mann!

Monika Griefdings ist jedenfalls bei Twitter und Facebook voll überzeugt:

griefahn_steindingens

Stein? Äh… -Brück? Steinhäger? Meiermeyermayr?

Toller Auftakt, Mona Griffhuhn, hahn, äh. Hannover. Sehr schöne Stadt.

Wählen gehen! Alternative, äh, also wir, ich meine, uns.

Wen? Na den Franz-Wilhelm Starkmayr. Oder so ähnlich.

Sehr guter Mann! Und nicht die Erststimme. Äh. Vergessen.

 

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