Hach!

paulbrief

So macht älter werden Spaß.

Danke, mein Paul!

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Es ist eine Freude, kluge, streitbare Kinder zu haben. Außer sonntags oder abends.

Jede Kindheit hat ihre eigenen Gesetze, in meiner begann der Ärger immer mit Bach. Erst die Brandenburgischen Konzerte zum Käsenutellabrötchen und dann: „Kinder, wir machen einen Sonntagsspaziergang.“
„Och nee, wir haben doch gerade erst einen gemacht.“
„Das war vor sechs Wochen.“
„Ich bleibe hier.“
„Du kommst mit. Wir haben so wenig gemeinsame Familienzeit.“
„Nö, ich bleibe hier. Ihr könnt nicht über mich bestimmen. Dies ist ein freies Land.“
„Aber nicht da, wo ich bin. Du brauchst frische Luft, zieh dir die Jacke an.“

Neindochneindochnein.

Und dann bleibe ich zu Hause und habe es mir mit meinen Eltern auf Wochen verscherzt. Oder ich gehe widerwillig mit und versaue nach Kräften die Sonntagsstimmung. Bis sich jeder auf den Montag freut.

Heute ist es immer noch so. Nur dass ich jetzt derjenige bin, der von Familienzeit und frischer Luft und gesunder Bewegung redet. Immerhin variiere ich die Musik und lege meinetwegen die Goldbergvariationen oder das fünfte Klavierkonzert auf, aber in Wahrheit fühle ich mich wie in einer Wiederholungsschleife.

„Ich komme nicht mit.“
„Doch, gutes Wetter, Niendorfer Gehege, Rehe füttern, Kollauwanderweg, von mir aus auch Elbe.“
„Nein, du kannst mich nicht zwingen.“
„Ich gebe auch ein Eis aus, Max.“
„Dann bring es mir mit.“
„Eine Woche Nintendoverbot.“
„Erpresser.“

Undsoweiter, undsoweiter, immer dasselbe, erst Bach, dann Krach, und ich frage mich, warum ich nicht jeden Tag in die Redaktion gehen darf.

Mit dem Sechsjährigen ist es nicht anders – auch alltags und ganz ohne Johann Sebastian.

„So, jetzt ins Bett.“
„Nein, ich bin nicht müde.“
„Ins Bett.“
„Du kannst nicht bestimmen, wann ich ins Bett gehe.“
„Doch, kann ich.“
„Du kannst mich nicht zum Schlafen zwingen. Ich schlafe, wenn ich müde bin. Ich bin aber nicht müde.“
Eisversprechen, Fernsehverbot, sinnloses Brüllen, am Ende Um-Mitleid-Winseln: „Paul, bitte, ich musste viel arbeiten und bin müde.“
„Dann geh du doch ins Bett.“

Vielleicht ist es instant karma. Die eigenen Eltern rächen sich mittels ihrer Enkel für jedes einzelne Sonntagsspaziergangsgezeter, das man ihnen angetan hat. Das ist zwar viele Jahrzehnte her, aber es gibt keine Verjährung. Hin und wieder rechne ich nach, wann ich frühestens meine ersten Enkel bekommen könnte. Ich will, dass sie mich rächen.

Morgen ist Sonntag. Zum Frühstück werde ich zur Abwechslung mal nicht Bach spielen, sondern Led Zeppelin, AC/DC oder Rage Against the Machine. Vielleicht ändert das etwas. Danach gehe ich joggen. Allein.

Erschienen am 5. März 2011 in WELT und WELT ONLINE
 
 
 
 
Eine Sammlung meiner in “Welt” und “Hamburger Abendblatt” erschienenen Kolumnen über den alltäglichen Familien- und sonstigen Wahnsinn gibt es jetzt unter dem Titel “Schrei mich nicht an, ich bin ein Wunschkind” auch als günstiges eBook bei Amazon, und zwar hier.
 
Die “Welt”-Kollegin Inga Griese hat diese Kolumne in ihr amüsantes Buch “12 Enkel, bitte! Als Großmutter an der Familienfront” aufgenommen.
 
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Es gibt Umstände, die verhindern die angestrebte Angleichung der Lebensverhältnisse. Zwischen den Geschlechtern.

Alles hat bekanntlich seine Zeit, und bei meiner Frau beginnt sie kurz nach Mitternacht. Immer, wenn der Rest der Familie sich längst zur Ruhe gebettet hat oder sich gerade verabschieden will aus dem sibirischen Alltag, hinein in verwegene Träume von Frühling und Mittelmeer, dann wird die Waschmaschine beladen. Oder der Müll getrennt herausgebracht.

Oder eine Tasche gepackt für eine Reise, die in einer Woche möglicherweise anzutreten sein könnte, man weiß ja nie. Oder in einem akuten Kreativitätsschub das Altglas sortiert.

Gelegentlich muss man auch den Kühlschrank ausräumen und auswischen und wieder einräumen und dabei die Ordnung von Senf, Ketchup und Gurkengläsern optimieren.

Ich bin seit jeher für die Angleichung der Lebensverhältnisse. Zwischen West und Ost, Arm und Reich, Mann und Frau. Aber nicht zwischen Tag und Nacht. Also beschwere ich mich. Was zu der Frage führt, warum dann bitteschön nicht ich den Müll, die Wäsche, das Glas undsoweiter. Stimmt natürlich, ich bessere mich, versprochen, aber nicht jetzt. Es ist Nacht!

Nach meiner persönlichen Lebenserfahrung brauchen Frauen Weiterlesen »

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Gratisessen, hauseigenes Fitnessstudio und Entspannung im Würfel-Pool: Wie Google Innovation fördert und Mitarbeiter motiviert. Wer hier arbeitet, darf 20-Prozent der Arbeitszeit für eigene Projekte einsetzen. Chefs, die sich wichtig machen, sind nicht erlaubt. 

Schön, was heißt hier schön? So einfach ist das nicht. Als ein Designer dem Google-Gründer Larry Page vor vielen Jahren das Muster eines kräftigen Blaus vorlegte, in dem einer der Buchstaben des Suchmaschinenlogos erscheinen sollte, fragte ihn Page, warum es denn nun ausgerechnet dieses Blau sein sollte.

Weil es schön sei, das schönste Blau überhaupt, antwortete der Designer.

“Beweise es mir!”, forderte Page. Also stellten die Googelianer 50 Blautöne online und ließen die vernetzte Welt über die Frage abstimmen, was schön ist. Danach wählten sie das Blau aus, das die meisten Klicks bekommen hatte.

Ingenieure der Zukunft

Ist das eine neue Form der Demokratie? Schwarmintelligenz? Oder spiegelt diese Anekdote, die sie sich bei Google gerne selbst erzählen, die Abschaffung des Schönen zugunsten des Massengefälligen wider? Man könnte lange darüber streiten, aber bei Google streiten sie über so etwas nicht. Schon gar nicht lange. Googelianer, so sehen sie sich, sind Ingenieure der Zukunft. Für sie zählen nur Daten. Und eben: Klicks.

Mancher wundert sich, dass sie trotzdem einen Sinn für das Ausgefallene haben, wie es die Deutschland-Zentrale an der Hamburger ABC-Straße zeigt. Rund 300 Anzeigenverkäufer, Finanzfachleute, Personaler und Online-Marketingstrategen arbeiten hier. Sie verteilen sich auf fünf Stockwerke, die jeweils ein Leitmotiv haben: Transport, Nightlife, Medien und Entertainment, Wasser, Sport. Sie treffen sich in bunten Konferenzräumen, die “Schietwetter”, “Casino” oder “YouTube” heißen und in deren Wänden riesige Videobildschirme eingelassen sind. Wenn die Mitarbeiter Ruhe brauchen, zum Telefonieren, Videokonferieren oder für einen kleinen Plausch unter Kollegen, dann buchen sie sich über das Firmennetz in kleine Solozellen ein, die allesamt liebevoll individuell gestaltet sind.

Hauseigenes Fitnessstudio, gratis Essen

Sie treffen sich in Räumen, die aussehen wie die alte Hamburger U-Bahn, in der Kantine, in der alle Mitarbeiter gratis essen, oder in lustigen Gruppenseparees, die wie Flugzeugabteile gestaltet sind oder in denen massenhaft Matchboxautos an den Wänden kleben. Wer abspannen will, kann ins hauseigene Fitnessstudio gehen und sich von einem der fest angestellten Trainer in Form bringen lassen. Die Firma zahlt. Oder er holt sich Kaffee und Knabberzeug, das es bei Google in Minikiosken natürlich auch gratis gibt. Man kann auch eine Runde Fifa 2013 mit Kollegen an der Playstation oder eine Partie Billard am hauseigenen Tisch spielen oder sich den Stress mal schnell rausflippern. Wenn gar nichts mehr hilft, wirft man sich kreischend rittlings in den Pool, der mit türkisfarbenenen Schaumstoffwürfeln gefüllt ist. Danach ist alles gut.

Google hat sich vor mittlerweile zehn Jahren ziemlich genau zwischen dem Verlagsgebäude von Axel Springer an der Caffamacherreihe und dem Gänsemarkt angesiedelt, und nicht nur Journalisten und Verlagsstrategen rätseln bis heute, was das Geheimnis dieses so bunt daherkommenden Unternehmens ist. Wieso sind die so kreativ? Wie bringen sie ihre Mitarbeiter zu immer neuen Überraschungserfolgen und halten sie auch nach Flops bei so guter Laune?

Spielplatz für Berufsjugendliche

Als Besucher fragt man sich, ob man sich in dieser vor einem Jahr neu gestalteten schrillen Bürolandschaft eher an Disneyland oder an einen Indoor-Spielplatz für Berufsjugendliche erinnert fühlt, von denen viele Bärte tragen und niemand einen Anzug, die fast alle lächeln und sich alle duzen wie in der Ikea-Werbung. Wo ist der Haken? Laufen hier nur Schauspieler durch die kolorierten Korridore, und die wahren Digitalsklaven sitzen derweil im Keller? Bunte Sessel und Caféecken in Neonlila allein können doch wohl nicht innovativ und kreativ machen, oder doch?

“Manche Besucher meinen, es sieht hier aus wie im Kindergarten”, sagt der Personalchef von Google-Nordeuropa, Frank Kohl-Boas. “Aber die Einrichtung allein ist es ja nicht. Ein Großteil deines Lebens verbringst du mit Arbeit, hoffentlich mit Arbeit, die du gerne und damit auch erfolgreich machst”, sagt der gelernte Jurist, der lange in Australien gearbeitet hat und gerne lustige englische Ausdrücke einstreut. “Also wollen wir dir die Zeit hier so angenehm wie möglich gestalten. Wir wollen, dass du den Kaffee hier trinken und dich mit Kollegen austauschen kannst und nicht zum Gänsemarkt gehen musst.” Und klar, “wenn du nach Feierabend noch ein Bier trinken willst, aber dein Kühlschrank leer ist, dann nimmst du dir eben hier eins und spielst noch eine Partie Billard beim Absacker.” Kreativität entsteht im Zusammensein, das ist der Glaube, der hinter all dem steckt.

Systematisches Homeoffice ist nicht gefragt

Dass die Leute bei Bedarf auch mal von zu Hause arbeiten, ist zwar okay. Systematisches Homeoffice wollen sie bei Google aber nicht. Es ist besser, hier zu sein, bei den anderen. “Je mehr Ideen ausgetauscht werden, umso mehr Kreativität kann entstehen”, sagt Kohl-Boas. “Jede Idee braucht Resonanz.”

Coole Räume allein reichen allerdings nicht aus, damit Ideenkeime fruchtbar werden. Es gehört auch ein anderes Denken dazu, eine andere Unternehmenskultur. Informationen müssen zum Beispiel Weiterlesen »

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Das moderne Büro kennt keinen Feierabend mehr. Kommuniziert wird nonstop. Der Hamburger Senat plant jetzt eine Schutzverordnung, die den Arbeitsalltag radikal verändern könnte – in ganz Deutschland.

Wir müssen uns Adam als einen kränklichen Depressivling vorstellen. Kein Job, keine Herausforderung, kein Ziel. Bore out im Paradies: der nackte Langeweiletod im Abendrot. Dummerweise sprach Gott nach der leidigen Apfelsache aber nicht: “Du sollst künftig einer sinnstiftenden Arbeit nachgehen.” Nein, die Rede war von Dornen, Disteln, Mühsal und Schweiß. Und siehe: Der Mensch war unter Stress gesetzt.

Dass wir im Paradies glücklicher gewesen wären, ist allerdings keinesfalls ausgemacht. Noch heute zeichnen unterschiedlichste Studien ein einheitliches Bild: Wer arbeitet, und sei es auch unter Mühsal, ist zufriedener mit sich und der Welt – und er ist meist auch gesünder. Menschen ohne Aufgabe werden schneller krank und depressiv.

Das ist allerdings nur die eine Hälfte der Wahrheit. Denn zugleich hat der Mensch sich selbst die Arbeit immer wieder so eingerichtet, dass sie für viele zu einem Kreuz wurde. Nach der echten Sklaverei kam die Lohnsklaverei der frühen Industrialisierung. Und in unserer Zeit ist er dabei, sich selbst zum Digitalsklaven zu machen. Die Arbeitswelt verändert sich so radikal und schnell wie nie zuvor. Und wieder scheint der Mensch dabei das Augenmaß zu verlieren. Die umfassende Digitalisierung unserer Welt führt dazu, dass wir immer erreichbar sind und uns auf nichts mehr richtig konzentrieren können, weil Informationen im Sekundentakt aus unterschiedlichen Kanälen auf uns einströmen: Aus Telefonen, Mails, sozialen Netzwerken, fast antik anmutenden Faxgeräten und hochmodernen Tablets sprudeln ununterbrochen Anweisungen, Aufgaben und Anfragen.

Mitarbeiter haben mit Großraumbüros zu kämpfen

Hinzu kommt, dass viele Firmen dazu übergegangen sind, ihre Mitarbeiter in Großraumbüros zu platzieren, in denen sie gezwungen sind, auch die Kommunikation ihrer Kollegen unentwegt mitzuverfolgen. Man erhoffte sich ein Mehr an Kreativität und Effektivität – außerdem spart die Auflösung der Einzel- oder Zweierbüros teure Büromieten. Nebenwirkung: ein höherer Krankenstand und eine höhere Fehlerquote.

“Die menschliche Verarbeitungskapazität ist an ihre Grenzen gekommen”, sagt Dirck Süß, Chefvolkswirt der Hamburger Handelskammer. “Immer mehr Menschen brechen unter dieser Last zusammen.” Die Unternehmen müssten dieser Tatsache noch deutlich mehr Rechnung tragen. Selbst bei einem ausschließlich vom Datenfluss lebenden Unternehmen wie Google haben Mitarbeiter bei der jüngsten internen Umfrage in Hamburg als ein Problem den “Information-Overload” angegeben, wie Personalchef Frank Kohl-Boas berichtet. Auch Nerds sind eben nur Menschen.

Nun hat auch die Politik das Problem erkannt. Der Weiterlesen »

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Manfred Braasch ist der mächtigste Gegenspieler des Hamburger Bürgermeisters. Der BUND-Chef hat die Elbvertiefung einstweilen verhindert. Jetzt will er Olaf Scholz zwingen, die Energienetze der Strom- und Gasleitungen zurückzukaufen. Für rund zwei Milliarden Euro. Ein Porträt.

Stellt man sich so einen Volkstribun vor? Einen, der die Massen mobilisiert, die Mächtigen herausfordert, gar einen König bezwingt? Manfred Braasch ist ein mittelgroßer Mann mit nicht so vielen Haaren, der hinter einer Brille mit nicht so dünnen Gläsern ernst in die Welt blickt. Ernst und gerade. Aber auch ein wenig schalkhaft. Bei passender Gelegenheit stets zu einem Spötterspruch bereit.

BUND-Chef Manfred Braasch an der Alster. (Foto: Bertold Fabricius, pressebild.de)

Kein Volkstribun im klassischen Sinne also, auch kein Populist im modernen. Keiner, der volle Hallen zum Tosen bringt. Und doch ist Manfred Braasch, Vater zweier Töchter, Vegetarier, passionierter Nudelesser und Landesgeschäftsführer des Bundes Umwelt und Naturschutz Deutschland der dieser Tage wohl mächtigste Gegenspieler des Hamburger SPD-Bürgermeisters Olaf Scholz. Der wird wegen seiner großen Machtfülle “König Olaf” genannt. Gegen den BUND-Chef macht er aber bisher keinen Stich.

Braasch und sein Verband haben mit ihrer Klage die Elbvertiefung einstweilen gestoppt, die der Bürgermeister und mit ihm die große Mehrheit der Hamburger für so wichtig halten. Er droht gerade damit, die Stadt wegen der laut EU-Prüfung deutlich zu hohen Luftbelastung per Gerichtsverfahren zu radikalen Maßnahmen gegen den Autoverkehr zu zwingen.

Und nun schickt er sich auch noch an, den Bürgermeister zu etwas zu nötigen, gegen das dieser sich mit Händen und Füßen und allem, das man im öffentlich Meinungskampf so einsetzen kann, zur Wehr setzt. Braasch ist nämlich auch Sprecher der Initiative “Unser Hamburg – unser Netz”, die einen vollständigen Rückkauf der Hamburger Energienetze durchsetzen will.

Mehr als 35.000 Kilometer Kabel, Rohre und Fernwärmeleitungen, die in der Hamburger Erde liegen, soll die Stadt von Vattenfall und Eon erstehen, fordert die Initiative. Das sei unerlässlich für das Gelingen der Energiewende und außerdem ein gutes Geschäft, glauben Braasch und seine Mitstreiter in Verbraucherzentrale, Nordkirche und bei den Grünen.

Die Chancen, dass seine Initiative sich auch hier durchsetzt, stehen gut. 64 Prozent der Hamburger haben sich kürzlich bei einer Umfrage für den vollständigen Rückkauf der Leitungen ausgesprochen. Dass Bürgermeister Olaf Scholz nicht jedes Mal die Hände vors Gesicht schlägt, wenn der Name Braasch fällt, liegt vermutlich nur daran, dass Weiterlesen »

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Der Hamburger SPD-Senat hat es in zwei Jahren Regierung nicht geschafft, der EU ein verabschiedetes Luftreinhalteprogramm vorzulegen. Jetzt erhöht Brüssel den Druck auf all die Städte, die die Schadstoffgrenzwerte nicht einhalten. Es ist kein Zufall, dass Hamburg dazugehört. Der SPD ist die Umweltpolitik schnurz wie in den 1970ern. Ein Kommentar.

Olaf Scholz ist bekanntlich kein religiöser Mensch. Einen tiefen Glauben aber pflegt der Hamburger Bürgermeister trotzdem – den an die Industrie und ihre Ingenieure. Sobald es um Klima- und Naturschutz geht, betont Scholz stets, wie sehr er auf die Lösung aller Probleme durch den „ingenieurgetriebenen Umweltschutz” baue.

Den Autoverkehr will Scholz nicht antasten

Das ist eine sehr praktische Herangehensweise. Dreckige Luft und ohrenbetäubender Verkehrslärm? Die Ingenieure werden’s schon richten. Wir brauchen weder Umweltzone noch CityMaut, nicht mehr Geld für Radwege und keine Stadtbahn. Niemand muss langsamer fahren, keiner Energie sparen, auf die Innenstadttouren mit dem Geländewagen muss kein Mensch verzichten. Warum auch?

Entsprechend dieser Einstellung haben die Hamburger SPD und ihr Chef Scholz die Umweltpolitik seit Amtsantritt 2011 in der Kategorie Gedöns abgelegt. Anders ausgedrückt: Umweltpolitik findet unter der SPD faktisch nicht mehr statt. Die zuständige Senatorin hat ja auch mit dem Wohnungsbau genug um die Ohren.

Da die Genossen allein regieren, gibt es auch keinerlei Korrektiv. Dabei würde selbst eine Große Koalition vermutlich mehr Rücksicht auf umweltpolitische Belange nehmen als dieser Senat. Denn die CDU ist hier längst moderner aufgestellt als die SPD. Die ist als gute alte (Industrie-)Arbeiterpartei nämlich in eine abgehobene Fortschrittsgläubigkeit zurückgefallen, die seit den 1980ern längst überwunden schien.

Unbeantwortet lassen die Genossen die Frage, warum Ingenieure es seit Jahrzehnten nicht schaffen, den Spritverbrauch von Autos radikal zu senken, den Lärm durch Reifenabrieb zu vermindern, funktionale Batterien zu entwickeln oder Kreuzfahrtschiffe zu bauen, die keine Dreckschleudern sind.

So ist es auch hier ein Segen, dass es Weiterlesen »

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Hier werden keine Dirndl gefüllt oder Hosen ausgebeult. Hier ist Lanzfreie Zone. Gehen Sie weiter!

Diese Kolumne ist geschlechtsneutral. Frauen können sie lesen, ohne sich gedemütigt zu fühlen. Männer können nicht irgendwo hingucken, wo sie nicht hingucken sollten. Hier gibt es nichts zu sehen.

Dies ist eine körperfreie Zone. Hier wird auch nicht geredet, nicht philosophiert und nicht getalkt, nicht mit den Armen gewedelt und nicht räsoniert. Nicht über Brüderle und blonde Journalistinnen. Nicht über Unterdrückung. Nicht über Ausbeutung. Nicht über Frauenquote und nicht über die Identitätskrise des Mannes.

Hier geht es nicht um Lust. Nicht um die Herbertstraße. Nicht um Gefühle. Hier spricht niemand über Wut. Auch nicht über Trauer. Hier herrscht Lanzverbot.

Es gibt hier keine Pornos. Es wird niemand begrapscht. Es gibt keine Herrenwitze und keine Talibanwitze. Niemand pfeift niemandem hinterher. Hier wird nicht geraucht, nicht gekifft und kein Alkohol getrunken.

Es gibt hier keine Gegensätze, die Geschlechter sind Weiterlesen »

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Die Macht von Umweltverbänden und Volksinitiativen ist in Hamburg größer denn je. Ist das ein Schaden für die Stadt?

Es sind zwei Manfreds, die seit Jahren die politische Agenda in Hamburg zu weiten Teilen bestimmen: Manfred Brandt und Manfred Braasch. Brandt ist Vorstand des Vereins “Mehr Demokratie” und hat mit seinem Verein in den vergangenen Jahren nicht nur die Ausweitung der Volksgesetzgebung durchgesetzt, sondern auch das Hamburger Wahlrecht immer wieder mit umgestaltet.

Braasch ist Hamburger Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) – und hat in dieser Funktion die Elbvertiefung per Klage einstweilen verhindert und Vattenfall und seinem Kohlekraftwerk Moorburg immer neue Auflagen abgerungen.

Jetzt will Braasch der Stadt eine Milliardeninvestition aufzwingen

Jetzt schickt sich Braasch an, dem Senat per Volksentscheid eine der größten Investitionen der Hamburger Geschichte aufzuzwingen. Der 48 Jahre alte Ernährungswissenschaftler ist nämlich auch Sprecher der Volksinitiative “Unser Hamburg – unser Netz”, die den vollständigen Rückkauf der Energienetze durch die Stadt durchsetzen will.

Rund zwei Milliarden Euro dürfte es kosten, wenn Hamburg Vattenfall und E.on die insgesamt mehr als 35.000 Kilometer langen Rohre und Leitungen abkauft. Der SPD-Senat hatte im vergangenen Jahr 25,1 Prozent der Netze erworben und dafür 544 Millionen Euro gezahlt. Das sichere genug Einfluss auf die Energiepolitik und eine Garantiedividende für die Stadt. Mehr gehe nicht.

Das sieht Braasch anders. Er und seine Mitstreiter glauben, dass die Energiewende nur mithilfe eines Komplettrückkaufs der Leitungen funktioniere. Die Kampagnen beider Seiten laufen langsam an.

Ein Volksentscheid mit gravierenden Folgen

Am vergangenen Donnerstag debattierte auch die Bürgerschaft über das Thema. Am Tag der Bundestagswahl im September werden die Hamburger per Volksentscheid darüber abstimmen, welche Regelung sie bevorzugen.

Diejenigen, die gegen jede staatliche Beteiligung an den Kabeln und Rohren sind, haben dabei allerdings keine Wahl. Entschieden wird nur zwischen der Senatslösung und dem Komplettrückkauf. Eine Null-Prozent-Beteiligung steht nicht auf den Stimmzetteln.

Nicht alle sehen es gern, dass Organisationen wie der BUND in den vergangenen Jahren mithilfe der Volksgesetzgebung und des Verbandsklagerechtes eine so enorme Wirkung entfaltet haben – fast so, als seien sie in Hamburg mittlerweile mächtiger als Bürgerschaft und Senat.

“Statt um Frösche geht es nur noch um Infrastruktur”

Statt um Frösche und seltene Gewächse kümmerten sich die Naturschützer plötzlich fast ausschließlich um große Infrastrukturprojekte, so ein zuletzt häufiger erhobener Vorwurf – meist, indem sie diese zu verhindern suchten. Gewerkschafter klagen, dass Weiterlesen »

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In der “Hamburger Presserunde” vom 27. Januar 2013 (21.45 Uhr beim TV-Sender Hamburg 1) diskutiert Jens Meyer-Wellmann mit vier kompetenten Gesprächspartner darüber, was für und was gegen den von der Volksinitiative “Unser Hamburg – Unser Netz” per Volksentscheid angestrebten Rückkauf der Strom- Gas- und Fernwärmeleitungen von Vattenfall und Eon spricht. Der Preis für die mehr als 35.000 Kilometer Kabel und Rohre liegt laut Schätzungen bei zwei Milliarden Euro. Gäste: Manfred Braasch (BUND und “Unser Hamburg – unser Netz”), Jürgen Heuer (NDR Hamburg Journal), Martin Kopp (Die Welt) und Sven-Michael Veit (taz).

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